Über den Tattoo-Künstler

Zum ersten Mal wurde Robbie Koerdt mit Nadel und Tusche während seiner Schulzeit in den Siebziger Jahren konfrontiert, und zwar mit einer Methode, die vielen bekannt sein dürfte: Einfach eine oder mehrere Nadeln mit Zwirn umwickeln, eintauchen ins Tintenfässchen und los geht’s - hinein gestochen oder unter die Haut gezupft. Diese dilettantische Art hatte natürlich mit Körperschmuck oder gar Kunst nichts gemein. Das Ganze war eher eine Form von Mutprobe für die „coolen Jungs“ (bzw. heute dumme Bengel).

Somit waren Robbies Zeichenkünste für Kreuze, Initialen, Punkte und dergleichen von großer Wichtigkeit. Sein Hobby war also für seine erste Tätowierung (ein kleines Kreuz  - selbstverständlich schon lange gecovert!) ohne Belang. Doch diese Dummheit, die er und viele andere aus seinem Bekanntenkreis und näheren Umfeld begingen, gab ihm nur ein paar Jahre später, nämlich 1983, die Möglichkeit seine ersten Gehversuche in Sachen Tattoo zu unternehmen. Mittels einer selbstgebauten Maschine und dankbar des Vertrauens, welches man ihm entgegenbrachte, besserte er manch handgestochene Tätowierung auf, indem er Linien begradigte, Farben hinzufügte und auch schon erste Cover Ups (Übertätowierungen) ausführte. Da diese Arbeiten Anklang fanden, mangelte es nicht an zu bearbeitender Hautfläche.

Robbie oder auch Curty, wie ihn manche nennen, meint heute ein wenig ironisch, er hätte in dieser Zeit nur deshalb tätowieren können, weil bei den Arbeiten, die es zu verschönern galt, die Devise lautete: Schlimmer kann’s nicht werden! Außerdem arbeitete er unentgeltlich, was die Sache ebenfalls attraktiv erscheinen ließ.
 
Kurze Zeit später lernte Robbie in seinem damaligen Motorradclub „Earls M.C. Germany“ einen Tätowierer namens „Seemann“ kennen, von dem er sich selbst hatte mehrfach tätowieren lassen. Er schaute ihm so oft wie möglich über die Schulter. Dieser Augendiebstahl und die Freundschaft zu „Seemann“ bestärkte ihn in der Entscheidung, sich nun ein komplettes, professionelles Tattoo-Equipment zuzulegen.

Seine erste Ausrüstung bestand aus zwei „Spaulding und Rogers Supreme Quick Tattoo Machines“, dem dazugehörigen Traffo nebst Clipcord, sowie einem Nadellötblock, einem Ultraschallreinigungsgerät und einem Heißluftsterilisator. Zeichnungen wurden weiterhin selbst angefertigt oder mit anderen Tätowierern getauscht.

Da zu dieser Zeit überwiegend in Bikerkreisen tätowiert wurde, kam man schnell mit anderen Tätowierern auf Treffen und Ralleys in Kontakt. Eine dieser Begegnungen fand Mitte der Achtziger Jahre statt: mit Tattoo-Franz aus Duisburg.

Dieser war damals schon ein alter Hase in der Szene und zeigte Robbie weitere Techniken, die für seinen zukünftigen Werdegang entscheidend waren. Nun versuchte er sich auch kommerziell, indem er gelegentlich in  dem Duisburger Studio tätig war. Das handwerkliche Know-how saß nun so sicher wie das „ABC“.

Nun galt es, sich künstlerisch weiter zu entwickeln, neue Stilrichtungen zu entdecken bzw. alte zu perfektionieren. Darum entschied sich Robbie ins Mekka aller Rock’n Roll Generationen, die USA, aufzubrechen, um dort weiter zu lernen und gegebenenfalls auch zu arbeiten.

Für eine kleine Import/Export-Firma im US-Bundesstaat South Carolina importierte er zunächst Harley Davidson Motorräder (übrigens seine zweite große Leidenschaft) nach Europa und verdiente sich so die nötigen Dollars für seine Reisen in Sachen Tattoo kreuz und quer durch die USA bis hin zum 50. Bundesstaat Hawaii zusammen.

Auf diesen Trips lernte er unter anderem auch Huck Spaulding kennen, den Präsidenten von „Spaulding und Rogers“, dem bekanntesten und besten Tattooequipmenthersteller weltweit. Huck bestärkte Robbie in seinem Vorhaben ein eigenes Tattoostudio zu eröffnen.

Nach dieser Begegnung im Frühjahr 1989 mit dem damaligen „Tattoo-Papst“, mietete sich Robbie in ein ehemaliges Bundesbahngebäude im Bochumer Stadtteil Langendreer ein und meldete erstmals ein Gewerbe an.

In den Jahren 1990 bis 1992 arbeitete der gelernte Verfahrensmechaniker hauptberuflich beim Roten Kreuz und war daher nur nach Absprache in seinem (leider viel zu gut versteckten) Atelier anzutreffen. Selbst noch Anfang der 90er Jahre war Tätowieren in großen Teilen der Gesellschaft negativ behaftet. Deshalb war es in dieser Zeit schwierig geeignete Örtlichkeiten zu finden, anzumieten oder pachten zu können.

Aus diesem Grund tat Robbie gut daran in dieser Phase weiterhin einem bürgerlichen Beruf nachzugehen, der ihm finanziellen Spielraum einräumte.
Für das „kleine Einmaleins“ des eigenen Betriebes war das – wie er selbst sagt - „Wilde Atelier“ unerlässlich.

Im Jahre 1992 entschied sich Robbie, das Tätowieren zu seinem Hauptberuf zu machen, fand dafür ein geeignetes Ladenlokal in Bochum-Harpen und ist seitdem dort sehr erfolgreich tätig.
Gelegentlich ist er als Gasttätowierer bei befreundeten Tätowierern in Norddeutschland und in Kalifornien aktiv.

Auf Conventions wird man ihn allerdings nicht antreffen, weil er wie viele andere Berufskollegen die Ruhe bei der Arbeit schätzt und der Auffassung ist, dass die meisten Kunden eine private Atmosphäre beim Tätowieren bevorzugen. Trotzdem haben Menschen, die auf Conventions tätowieren oder sich tätowieren lassen, Robbies ganze Achtung. Sie tragen dazu bei, eine alte und ebenso junge Kunst (ständig neue Styles) einer größeren Masse zuzutragen und diese so salonfähig zu machen.

„Natürlich haben Tattoos immer etwas leicht anrüchiges; sie sind nicht mehr so klischeebehaftet wie noch vor zwei Jahrzehnten, aber in einem Ausmaß, welches die Magie eines Tattoos erhält.“, sagt Robbie.

Abschließend kann man sagen, dass Robbie Koerdt ein Tattooartist ist, der sein Handwerk bei Tätowieren weltweit von A bis Z gelernt und über die Jahre seinen eigenen unverkennbaren Stil entwickelt hat. Die Qualität seiner Arbeiten spricht für sich und sein Ruf als hervorragender Tätowierer reicht mittlerweile über die Grenzen Deutschlands hinaus. Er gehört zu den Glücklichen, die das Hobby zum Beruf gemacht haben.

~ ein langjähriger zufriedener Kunde und mittlerweile Freund.